sassiline

Diplomtext

Juli 16, 2009 · 1 Kommentar

Imaginierte Orte

Es gibt viele Dinge, die mich interessieren, welche mich, weil ich sie spannend finde, visuell befriedigen.
Zum Beispiel – und vor allem in Bezug auf meine Arbeit – Bäume.
Ihre Wuchsformen und -Richtungen, im Besonderen von Buchen, Süntelbuchen (das ist eine mutierte Form der Fagus Sylvatica, mit verdrehtem, gewundenem, verwachsenem Erscheinungsbild); Eichen Platanen, alte Linden und Ahorne.
Die Natur an sich, Landschaften, Gegenden, aber auch winzige Dinge, die die Natur hervorbringt, wie Flechten und Moose mit ihren Formen und Texturen; Sporenkapseln, Pilze, Polypen, Hohltiere, Tentakel.
(Einen Teil meines Archivs – oder meiner „Sammlung – habe ich heute in Form von Fotos mitgebracht.)
Aber auch Kuriositäten, Mutationen und düsteres Zeug haben eine Anziehung auf mich.
Deshalb bin ich nicht bestrebt, in meinen Bildern geklärte Verhältnisse darzustellen, in denen nur Einklang herrscht.
Ich male, was ich selbst sehen will, Bilder, die ich der Welt hinzufügen möchte.
So sind imaginierte Landschaften, unwirkliche Orte entstanden, denen zwar Harmonie innewohnt, welche aber auch Fragen aufwerfen.

Natürlich sind meine Bilder von der Natur inspiriert, aber sie unterliegen dem Prinzip, realistische Bedingungen aufzulösen, die Landschaft dem Diktat der Natur zu entziehen.
Äste ragen wie Arme oder Körperteile ins oder aus dem Bild, die Wuchsformen der vegetabilen Objekte, ihre Verwachsungen, definieren die Räumlichkeit. Meist stehen sie wie Figuren im Vordergrund, manchmal verbinden sie sich durch Transparenz mit den Farbschichten hinter ihnen.
Als weitere Ebene gibt es Kreidezeichnungen, die durch ihre stumpfe Textur und ihre grafische Form weit vorne liegen.
Der Bildaufbau folgt im weitesten Sinne einem klassischen Prinzip: Hintergrund und Vordergrund fungieren als Ortsbestimmungen für abgrenzende Tiefendimensionen. Durch das Verbinden von Bildebenen (s.o.), löse ich das Prinzip stellenweise wieder auf, um Räumlichkeit zu verschieben.

Die Arbeiten entstehen in einem langsamen Prozess, oft mit einer Skizze im Vorfeld.
Verdünnte Acrylfarbe wird mit auf den liegenden Bildträger in mehreren Schichten aufgebracht; durch schütten, laufenlassen, tupfen, wischen, antrocknen lassen und noch feuchte Reste wieder wegwischen.
Hierbei entstehen längere Trocknungszeiten, in denen sich die Schicht noch verändert, trotzdem wird der Zufall gelenkt, oder besser gesagt ‘„eingeplant’“.
Nach einer Trocknungsphase gehe ich auf das Entstandene ein, auf eine tastende, vorsichtige Art. Denn wenn eine Schicht erstmal trocken ist, muss sie bleiben, um die dünne, glatte und durchscheinende Schicht zu erhalten. Es gibt nur wenige Stellen mit Pinselstrichen in meinen Arbeiten.
Ich habe mich aus verschiedenen Gründen auf diese Malweise festgelegt: Vor allem ist es die Lust am scheinbar zufälligen Verlaufen, die Leichtigkeit und Transparenz des Farbauftrags. Wichtig ist mir aber auch die Vermeidung eines Zumalens oder Überfrachtens.
Ich arbeite immer an mehreren Bildern gleichzeitig, mal sind es nur zwei, manchmal auch vier oder mehr. Es gab auch welche, die mehrere Wochen irgendwie ‘„fertig“’ herumstanden, dann aber doch wieder bearbeitet wurden, weil ich etwas gefunden hatte, das noch hinzuzufügen war. Kreide und Ölkreide ermöglichen mir auf dem suchenden Weg des Malens (dadurch, dass sie sich leichter als Acrylfarbe wieder entfernen lassen), auch mal ein Umkehren.

Bei der Auswahl und Hängung der Bilder war mir vor allem wichtig, dass sich die verschiedenen Orte nicht voneinander abstoßen oder sich gar durch allzugroße Differenzen und/oder zu starke Nähe nebeneinander aufheben.
Durch die von mir getroffene Auswahl und Anordnung, verhalten sich die Arbeiten ruhig zueinander und doch ist ein Rhythmus erkennbar.
Ich hatte vorm Hängen kein spezielles Konzept für eine Ordnung – ich habe mich intuitiv mit innerer Logik, in Zusammenarbeit von Kopf und Bauch, an sie herangetastet.
Und auf ganz ähnliche Art und Weise entsteht auch meine Malerei.

Kategorien: Kunst · Malerei
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1 Antwort bis hierher ↓

  • Muddi // Juli 18, 2009 um 5:16 | Antworten

    Hi,
    das erscheint mir doch recht sinnvoll und schlüssig und ist sogar für mich verständlich! Also, was willst du mehr!? Oder doch?

    Nun ist für mich der Alltagsstress vorbei, weil Ferien, doch jetzt gilt es die „Schlachtfelder“ zu beseitigen. Puh!
    Wir sind heute Abend bei Kay Konrad zu der Eröffnung seiner Sommerausstellung mit einem jungen israelischen Künstler.
    Ciao, Grüßchen und Küsschen von Muddi

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